Kurzantwort

Vinted hat keinen Schweizer Marktplatz — es gibt kein vinted.ch, Konten sind an ihr Land gebunden, und Verkäufer können nur mit Vinteds vorfrankierten Etiketten versenden, die die Schweiz nicht abdecken (Stand August 2026). Aus der Schweiz bestellen heisst darum: Paket-Weiterleitungsdienst mit deutscher oder französischer Adresse. Ab dort gelten die normalen Einfuhrregeln: null Zoll auf Kleidung und Schuhe, 8.1% Einfuhrsteuer erst, wenn Artikel + Versand rund CHF 62 übersteigen, plus die Gebühren des Weiterleitungsdienstes.

Warum Sie nicht direkt bei Vinted bestellen können

Vinted betreibt getrennte Länder-Marktplätze und verknüpft sie in festen Gruppen — Deutschland handelt zum Beispiel mit Frankreich, Italien, den Niederlanden, Belgien und Österreich. Die Schweiz gehört zu keiner dieser Gruppen. Es gibt keine Schweizer Version der Website oder App, ein bestehendes Konto lässt sich nicht auf die Schweiz umstellen, und der Versand läuft ausschliesslich über Vinteds eigene vorfrankierte Etiketten von Transporteuren ohne Schweiz-Option. Der Checkout akzeptiert eine Schweizer Lieferadresse schlicht nie.

Der Umweg: eine Lieferadresse in Deutschland oder Frankreich

Wer in der Schweiz einen Vinted-Fund will, nutzt einen Paket-Weiterleitungsdienst: Sie bestellen an eine deutsche (oder französische) Lieferadresse, die Ihnen der Dienst gibt, und er schickt das Paket über die Grenze, übernimmt die Zollanmeldung und stellt Ihnen seine Gebühr in Rechnung. Manche Dienste geben die Vinted-Bestellung sogar für Sie auf, denn ein Vinted-Konto setzt normalerweise einen Wohnsitz in einem Marktplatz-Land voraus.

Diese Bequemlichkeit hat ihren Preis. Stand August 2026 verlangt MeinEinkauf.ch — der bekannteste Schweizer Dienst — rund CHF 18 pro Lieferung und schlägt bei Vinted-Bestellungen einen Zuschlag von 20% des Warenwerts drauf; die Konkurrenz rechnet ähnlich. Bei einer Bluse für CHF 15 kann sich der effektive Preis so mehr als verdoppeln — der Weg lohnt sich also vor allem für Stücke, die wirklich schwer zu finden oder klar günstiger als Schweizer Secondhand-Preise sind.

Was die Schweizer Grenze tatsächlich verlangt

  • Zoll: null. Die Schweiz hat den Einfuhrzoll auf Industriegüter — einschliesslich sämtlicher Kleidung, Schuhe und Accessoires — per 1. Januar 2024 abgeschafft. Und der Schweizer Zoll unterscheidet nicht zwischen neu und gebraucht: Besteuert wird ein gebrauchter Artikel zum tatsächlich bezahlten Preis, mehr nicht.
  • Einfuhrsteuer: 8.1%, aber erst ab rund CHF 62. Die MWST wird auf den bezahlten Preis plus Versand berechnet, und Beträge unter CHF 5 werden nicht erhoben — bleiben Artikel + Versand also unter etwa CHF 62, fällt gar nichts an. Viele einzelne Secondhand-Käufe liegen unter dieser Linie.
  • Verzollungsgebühren: meist im Preis des Weiterleitungsdienstes enthalten. Weiterleitungsdienste liefern in der Regel «verzollt» — ihre Gebühr deckt die Anmeldung ab. Ein Paket, das stattdessen per normaler Post ankommt, würde die Verzollungsgebühr der Post auslösen (CHF 13 aus der EU plus 3% des Werts) — aber nur, wenn tatsächlich MWST zu erheben ist.

Sie wollen Zahlen für Ihre konkrete Bestellung? Der Rechner rechnet MWST und Gebühren für jeden Warenwert und Versandbetrag durch.

Secondhand ist nicht steuerfrei — nur meistens günstig genug

Für Gebrauchtwaren gibt es keine Sonderbefreiung. Dass die meisten Vinted-Käufe abgabefrei bleiben, liegt schlicht am tiefen Preis: Jeans für CHF 25 plus CHF 10 Versand liegen weit unter der CHF-62-Linie. Wo es Käufer erwischt, ist die Bündelung — Weiterleitungsdienste fassen mehrere Einkäufe zu einer Sendung zusammen, und eine Sendung im Wert von CHF 90 löst MWST aus, wo drei einzelne Pakete zu CHF 30 keine auslösen würden. Wenn Sie nahe an der Linie sind: Bitten Sie den Dienst, nicht zu bündeln.

Bitten Sie den Verkäufer nicht, «Geschenk» draufzuschreiben

Die Geschenkfreigrenze von CHF 100 gilt für echte Geschenke von einer Privatperson an eine andere — das Geburtstagspäckli von der Tante, nicht eine Marktplatz-Bestellung. Ein bezahlter Vinted-Kauf ist ein Kauf, egal wer verkauft, und ihn als Geschenk zu deklarieren ist eine falsche Zollanmeldung, die gebüsst werden kann. Sie hält auch dem Realitätscheck nicht stand: Zollanmeldung und Unterlagen des Weiterleitungsdienstes zeigen, was bezahlt wurde.

Retouren: Rechnen Sie damit, dass die Einfuhrkosten weg sind

Einen Artikel zurück ins Ausland zu schicken erstattet die Schweizer Einfuhrsteuer nicht automatisch — dafür bräuchte es ein formelles Wiederausfuhr-Verfahren mit Papieren, die bei der Ausfuhr eingereicht werden, und bei einem privaten Verkäufer über einen Weiterleitungsdienst ist das praktisch ausser Reichweite. Unter der CHF-62-Linie gibt es nichts zu verlieren; darüber sollten Sie einkalkulieren, dass MWST und Gebühren wohl bei Ihnen bleiben, auch wenn der Kauf schiefgeht.

Gut zu wissen

Nichts deutet auf einen baldigen Schweiz-Start hin — Stand August 2026 hat Vinted keinen Schweizer Marktplatz angekündigt. Käme er doch, würde die Schweizer Plattform-Regel greifen: Schweizer MWST beim Checkout und Verzollung durch die Plattform selbst, genau wie heute bei Temu und Shein. Bis dahin kommen die einheimischen Alternativen für Secondhand-Mode — Ricardo, tutti.ch oder Facebook Marketplace — ganz ohne Grenze aus.

Häufige Fragen — Vinted

Liefert Vinted in die Schweiz?

Nein. Es gibt keinen Schweizer Marktplatz, Konten sind an ihr Land gebunden, und Vinteds Versandetiketten decken die Schweiz nicht ab (Stand August 2026).

Wie kann ich in der Schweiz trotzdem bei Vinted kaufen?

Über einen Paket-Weiterleitungsdienst mit deutscher oder französischer Adresse — er leitet das Paket weiter, verzollt es und verrechnet eine Servicegebühr plus einen Zuschlag auf den Warenwert.

Fallen auf Secondhand-Kleidung Zollgebühren an?

Der Zoll ist null (2024 abgeschafft, und Gebrauchtes wird nicht separat behandelt). Die Einfuhrsteuer von 8.1% greift erst, wenn Artikel + Versand rund CHF 62 übersteigen.

Kann das Paket als Geschenk deklariert werden?

Nein — die Freigrenze von CHF 100 gilt nur für echte private Geschenke. Einen Kauf als Geschenk zu deklarieren ist eine falsche Anmeldung, die gebüsst werden kann.

Kommt Vinted in die Schweiz?

Stand August 2026 keine Ankündigung. Bei einem Start würde die Plattform-Regel gelten: MWST beim Checkout und Verzollung durch die Plattform, wie bei Temu und Shein.